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Dieter
Czerny
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Geschichte der Mediation
Schon in der Bibel gibt es Ratschläge zur informellen, außergerichtlichen Konfliktbeilegung durch Dritte, auch wenn es sich dabei um keine Mediation im heutigen Sinne handelt (Korintherbrief 6,1-5 und Matthäus-Evangelium 18, 15-17).
Im antiken Griechenland wurden Konflikte zwischen Stadtstaaten durch die Vermittlung anderer Städte beigelegt. Auch kleinere griechische Städte haben Vermittlungsdienste in den Konflikten zwischen den großen Stadtstaaten Athen und Sparta angeboten.
Im alten China war Mediation das hauptsächliche Mittel, Streit beizulegen. In der Volksrepublik China wird es noch heute in den "Volks-Versöhnungs-Komitees" angewendet.
In Japan wurde von den Führern einer Dorfgemeinschaft erwartet, dass sie den Bewohnern helfen, ihre Kontroversen zu klären.
In vielen Volksstämmen Afrikas gibt es die Einrichtung der Volksversammlung. Jeder hat das Recht, eine solche Versammlung einzuberufen, bei der eine angesehene Person als Mediator dient, um den beteiligten Parteien zu helfen, ihren Konflikt zu lösen.
Andere Beispiele von Mediationsverfahren wurden in Dörfern in Jordanien, in Melanesien, in Lateinamerika, in Island und in Spanien gefunden.
Die Kirche in Westeuropa war vielleicht die bedeutendste Mediations- und Konfliktregelungsorganisation im Mittelalter. Priester vermittelten bei Familienstreitigkeiten, bei Verbrechen und bei diplomatischen Konflikten.
Der italienische Vermittler Gasparo Contarini, wurde als erster Europäer als Mediator bezeichnet. Er legte mit der Erarbeitung des Westfälischen Friedens 1648 die Grundlage für eine moderne Völkerverständigung.
Quäker, Mennoniten und andere religiöse Gruppierungen, sowie die chinesischen und japanischen Einwanderer in Amerika setzten Mediationen und Schiedsverfahren zur Lösung ihrer Streitigkeiten ein.
1947 wurde in den USA das Federal Mediation and Conciliation Service gegründet, als Konfliktvermittler bei Arbeitskämpfen. Eine wichtige Vorreiterrolle spielte der 1964 gegründete Community Relations Service des amerikanischen Justizministeriums. Diese Einrichtung sollte helfen, Konflikte und Diskriminierungen rassischer, ethnischer oder nationaler Art durch Mediation und Vermittlungen zu lösen. Durch die Aufhebung der Rassentrennung gab es damals ein großes Konfliktpotential.
Das Mediations-Verfahren in seiner heutigen Form wurde in den 60er-Jahren in den USA entwickelt. Mehr als 50% aller Gerichtsstreitigkeiten in den USA werden heutzutage durch Mediationen gelöst. In manchen Staaten der USA (Oregon, Kalifornien, Ohio) ist gar nicht mehr zulässig, das Scheidungsgericht zu konsultieren, wenn vorher kein Mediationsversuch vorgenommen wurde.
Im kommunalen Bereich gibt es in den USA weit über 700 Mediationszentren, sogenannte "NJC" (Neighborhood Justice Centers), die kostengünstige oder kostenlose Mediationsdienste anbieten (Ehe, Familie, Nachbarschaft, Vermieter-Mieter, Vandalismus, Gewalt, etc). Sie sind meist staatlich und arbeiten mit den Gerichten zusammen.
In Deutschland erwachte das Interesse an Mediationen erst in den 80er Jahren. In den Anfangsjahren nutzte man Mediation hauptsächlich, um Scheidungs- und Umweltkonflikte zu lösen und im Bereich der Jugendkriminalität (Täter-Opfer-Ausgleich).
Mittlerweile wird Mediation in nahezu allen Konfliktfeldern auf der ganzen Welt angewandt.
Erwähnenswert ist dabei die Anwendung von Mediationen bei Internationalen Konflikten. Sowohl im Rahmen der UNO, die in Artikel 33 ihrer Charta Mediation als eine der verschiedenen Konfliktlösungsmöglichkeiten vorsieht, als auch aufgrund von Initiativen einzelner Staaten oder Organisationen wurde in mehreren politischen Konflikten vermittelt. Im Bereich der internationalen Politik ist "Mediation" jedoch nicht so eng umrissen. Im UN-Sprachgebrauch wird darunter jegliche Vermittlungstätigkeit verstanden, die auf der ausdrücklichen oder unausgesprochenen Zustimmung der Konfliktparteien beruht, z.B.:
Indien-Pakistan-Konflikt 1965-1966, Vermittlung durch Alexej Kosygin
Biafra-Krieg 1967-1970, Quäker waren an Vermittlungsbemühungen beteiligt
Suanesischer Bürgerkrieg 1972, erfolgreiche Konfliktlösung durch den "All African Council of Churches"
Israel und Nachbarstaaten 1973-1976, Vermittlung durch Henry Kissinger
Camp-David-Abkommen 1978, Krieg zwischen Israel und Ägypten, Mediation durch Präsident Carter
Zimbabwe-Abkommen 1979
Iran-USA-Geisel-Affäre 1980-1981, Vermittlung durch Algerien
Israel-Libanon 1982 nach Invasion in Libanon, Vermittlungsbemühungen durch die USA
Falkland-Konflikt Argentinien-Großbritannien 1982, Vermittlungsversuche durch den Präsidenten von Peru und Alexander Haig
Beagle-Kanal-Konflikt 1984 zwischen Argentinien und Chile, Vermittlung durch den Vatikan
Iran-Irak-Krieg 1987, Vermittlung durch Perez de Cuellar
Nicaragua 1988-1989 Konflikt zwischen Sandinisten und Miskito-Indianern, wurde von Geistlichen der Moravian Church, Mennoniten und Präsident Carter beigelegt
Israel - PLO 1993, Vermittlung durch den norwegischen Außenminister Johan Jürgen Holst
Quelle: Christoph Besemer, Mediation - Vermittlung in Konflikten, Stiftung Gewaltfreies Leben, 7. Auflage 2000
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